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Männer in grün könnten die Villa wieder zu einem grauen Ort machen

Kaum entsteht an der Uni neuer Lebensraum, ist er auch schon wieder bedroht. Im Zuge des Bildungsstreiks wurde die alte AstaVilla auf dem TU Campus wiedereröffnet. Ein Jahr stand das Haus leer bis sich ein bunt gemischter Haufen Studenten zusammengefunden hat, der gemeintschaftlich beschlossen hat, die freien Räume konstruktiv zu nutzen, selbstbestimmt und unabhängig von politischen und religösen Richtungen . Vom 17. Juni bis heute wurden die Räume mit Leben gefüllt, nicht nur von Studenten, sondern z. B. auch von Schülern und einigen Gästen aus ganz Deutschland. Neben den üblichen Feierlichkeiten haben alle aber auch hart angepackt, es wurden Büros-, Schlaf- und Seminaräume eingerichtet, Seminare und Workshops abgehalten, zusammen gekocht, gegessen, gequatscht und geputzt. In freien Arbeitsgruppen wurden die Tage sinnvoll gestaltet, auch wurde von Anfang an einem konkreten Konzept zur Raumnutzung gearbeitet, das in den nächsten Tagen vorgelegt wird.
Trotz der anstrengenden Tage, haben viele es nicht versäumt, ihre Lehrveranstaltungen zu besuchen. In den Büros fanden sich Leute, die zusammen Hausaufgaben erledigten und generell ist der Aspekt der “freien Bildung” nie in den Hintergrund getreten. Nun aber schwebt das Damoklesschwert der Räumung über dem Projekt und eine große Trauer macht sich unter allen NutzerInnen breit. Einige hatten seit langer Zeit endlich wieder das wunderbare Gefühl, gerne zur Uni zu gehen, sich gerne für die Uni und alle daran Beteiligten einzusetzen. Das Klima der Offenheit, dass jedeR Willkommen ist und sich einbringen kann, machte diese Aktion zu einer interessanten Begegnungsstätte für jeden, einer gemütlichen Insel im mitunter unpersönlichen Unialltag.
Nun sind wir dazu aufgefordert worden, das Gebäude bis Donnerstag Abend zu verlassen… wenn es sein muss wird sonst die Polizei mit “angemessener Härte” dafür sorgen….

Persönlich fühle ich mich niedergeschlagen. Ich möchte nicht, dass es am Donnerstag einfach vorbei ist. Dieses Projekt hat Potenzial, alle Lernenden näher zusammenzubringen und alternative Lebens- und Bildungswege aufzuzeigen. Seit dem 17. hat sich einiges getan hier drin, es wäre schade, wenn diese Arbeit umsonst war.

Angenehme Lernbedingungen sollten nicht einfach zerstört werden
Wormi

[der Text nimmt nicht für sich in Anspruch, die Meinung aller NutzerInnen zu vertreten]

Persönlicher Bericht zu den ersten Tagen in der Villa

Die Villa ist ein Ort, an dem sich in den letzten Tagen viele Menschen beteiligt haben und gerne viel Energie hinein gesteckt haben, und sie wird das (hoffentlich) auch bleiben. Dabei geht es nicht nur um die Partys, die wir organisiert haben, um die Workshops, die wir durchgeführt haben, und um die Plena, auf denen wir gemeinsam diskutiert haben, sondern vor Allem auch um das Miteinander und die tollen persönlichen Erfahrungen, die jedeR von uns hier macht.

Deswegen gibt es hier persönliche Berichte von Mittwoch, von Donnerstag, von Freitag, von Samstag und von Sonntag.
Da jedeR andere Erfahrungen macht, Dinge anders sieht, wäre es toll, wenn wir noch mehr persönliche Berichte sammeln könnten.

Ergebnisse des Perspektivplenum am Sonntag, 21.06. 15 Uhr

Die Villa soll für alle offen sein und soll bzw. kann Räume und Strukturen bieten für Alle, Schüler_innen, Student_innen, eigene Ideen, autonome Seminare, (studentische) Projekte, Veranstaltungen…. Bildung!

Deshalb fand am Sonntag, 21.06. um 15 Uhr auf der Wiese vor der Villa BEL ein großes Perspektivplenum statt. 40 Menschen aus nicht nur studentischen Gruppen und Initiativen haben sich daran beteiligt, der gemeinsamen Arbeit in der VIlla Charakter, Struktur und Gesicht zu geben:

Das am 21.6. erarbeitete Verständnis Offenheit (Konzept):

- Die Villa ist offen für alle, die offen sind.
- in der Villa kommen angehörige gesellschaftlich diskriminierter Gruppen vor und fühlen sich wohl.
- Alle Nutzer_innen übernehmen Verantwortung dafür, die Villa als diskriminiertungsfreien Raum zu erhalten.

Die am 21.6. erarbeitete Struktur:

Es gibt ein Villa-Plenum,
das alle wichtigen Entscheidungen trifft, und an dem sich alle Nutzer_innen-Gruppen beteiligen sollen. Damit sich alle beteiligen können, muss auch immer wieder die Kommunikationskultur reflektiert werden (kommen alle zu Wort? Trauen sich alle, zu sprechen?).

Es gibt Arbeitsgruppen, die Dinge wie Infrastrutur, Raumvergabe … in die Hand nehmen. Nutzer_innen der Villa sollen sich auch an dieser Arbeit beteiligen.

Vorstellungen zur Raumnutzung:

- gute Küche, damit nach Mensaschluss Essen gegen Spende (VoKü) angeboten werden kann.
- Themenräume (z.B. Raum für Umweltgruppen, Raum für …-Gruppen …)
- Funktionsräume (z. B. zum Lernen, für Seminare, Kulturveranstaltungen, Ruhe haben …)
- gestaltbare Räume

Der Aneignungsprozess hat erst begonnen. Es gibt noch viel Platz für Gruppen und Initiativen auch von außerhalb der TU Berlin!

Aufruf Aneignung gegen Enteignung

Aufruf: Ruhig mal was aneignen!

Lasst uns Freiräume schaffen! Lasst uns wieder Räume besetzen und zeigen, dass selbstbestimmte Bildung attraktiver ist!

Warum? – Eine beispielhafte Rechnung

168 h ist die Anzahl der Stunden in einer Woche

-70 h erwarteter „Workload“ von Bachelor-Studierenden
(davon 10 h unterwegs erledigen!)
-2 h nicht nutzbare Fahrzeiten
-15 h Studi-Job – hoffentlich über Mindestlohn
(mehr als 60% der Studierenden arbeiten nebenher)
-49 h Schlaf: durchschnittlich 7 Std. pro Tag – auch samstags und sonntags
-4 h Körperpflege und Hygiene
-12 h essen, einkaufen und zubereiten der von Nahrung in größter Eile

16 h übrig für alles andere, z. B. leben…

Hier ist zu sehen, wo die Zeit beim Bachelor-Studium durchschnittlich hingeht. Selbst wenn jemand keine Kinder, keine Gebrechen oder irgendwelche über das Normalmaß hinausgehende Belastungen hat, bleibt bei bester Organisation kaum etwas von der Zeit zur freien Verfügung. Diese Zeit fehlt zur Reflexion und Selbstentfaltung; sie legt uns fest auf den permanenten Versuch, am Ende in der Konkurrenz um Jobs besser als andere dazustehen. Dies ist nicht nur Enteignung von Lebenszeit, sondern auch von Lebensqualität!

Fast alle Studierenden haben eine Schule hinter sich, die ihnen zunehmend Zeit und Raum nahm sich auszuprobieren. Viele hatten noch keine Möglichkeit zu erfahren was es bedeutet, sich seine Zeit selbst einzuteilen, für etwas einzustehen oder die eigenen Rechte auszuüben. Dabei gab es meist gar keinen direkten Zwang, die Zeit mit Schule, Nachhilfe und büffeln zu verbringen. Das Problem ist eher der unnötige psychische Stress und der Zwang zur Konformität, der aufgebaut wird indem sogar schon Kindern permanent eingebläut wird, dass sie sich furchtbar anstrengen müssen, weil sie sonst keinen Job bekommen und dann zu den Verlierern der Gesellschaft gehören.

Lasst Euch nicht einschüchtern! Eine andere Bildung ist möglich! Nehmt Euch Zeit – trotzdem!
Darum: Der Enteignung eine Aneignung entgegensetzen!

Lasst uns einen Raum schaffen, der lebenswert und -lustig ist, in dem jede und jeder spürt, was es bedeuten könnte,
über die eigene Lebenszeit selbst zu bestimmen,
für die Fragen die eine_n umtreiben, Foren zum Austausch mit anderen zu finden,
Workshops gemeinsam zu gestalten,
sich miteinander darüber zu unterhalten was und wie mensch lernen möchte,
Aktionsformen auszuprobieren, Alltagstrotte aufzubrechen, Lebensformen kennenzulernen, sich zu durchmischen.

Lasst uns Räume besetzen!
Im Rahmen der „Wir-bleiben-alle“-Action-Weeks und der Bildungspro­test-Aktionswoche (15.-19.6.2009) und darüber hinaus werden an einer Berliner Uni leere Räume besetzt, um diese allen zur Nutzung anzubie­ten – für Workshops, kritische Wissenschaft, Protest-Koordination, Party, zum Abhängen oder als Treffpunkt. Am Tag der großen Party sind alle Interessierten zum Mitmachen eingeladen. Helft mit, den Raum zu nehmen, zu gestalten und mit attraktiven Inhalten zu füllen.

Lasst uns unser Leben zurückholen! Räume gibt es an den Berliner Unis genug. Lasst uns reingehen und drinbleiben und der täglichen Enteig­nung eine bewusste Aneignung entgegensetzen. Bewusst heißt, dass diese Aneignung inklusiv ist: Jede_r gehört dazu – diskriminierendes und dominantes Verhalten hat in diesen Räumen keinen Platz, sondern wird thematisiert, sobald es auftaucht.

Bildet Bezugsgruppen und gestaltet mit! Seid bunt und feiert mit in allen Sprachen!

Kontaktmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Adressen, an die du dich mit deinem Anliegen wenden kannst.
Willst du Mithelfen oder eine Veranstaltung in den Räumen der Zwille organisieren ?
Dann schreib an info@villabel.org .

Du kannst natürlich auch einfach Vorbeikommen und direkt mit uns reden.
Komm zur Zwille im ZW-Gebäude 3.OG
Übersichtskarte
Am wahrscheinlichsten triffst du natürlich jemanden von uns auf einer unser Veranstaltungen.

Kontakt zur
„Vereinigung zur Förderung des studentischen Lebens und des Austausches zwischen den verschiedenen Status- und Gesellschaftsgruppen an der Technischen Universität Berlin – ZW-Trägerverein“:

dieueblichenverdaechtigen@gmx.de.
Einladungen zu Mitgliederversammlungen über die Mailingliste info@villabel.org.