Archiv für Juli 2009

Besetzung erfolgreich – Freiraum für kritische Bildung gesicherrt! – eine Zwischenbilanz

Am 28. Juni haben wir die besetzte Villa BEL an der TU Berlin wieder verlassen. Im Gegenzug stellte uns die Leitung der TU fünf Räume der ehemaligen Zentralwerkstatt im Z-Gebäude mit insgesamt 180 qm zur Verfügung. Die TU Berlin investiert bis Ende September 50.000 € in die Räume, um sie uns in angemessenem Zustand zu übergeben. Unsere Forderung nach Herstellung von Barrierefreiheit konnten wir nicht sofort durchsetzen, arbeiten aber an schnellen unkonventionellen Lösungen, damit die Räume im 3. Stock ohne Ausnahme für alle zugänglich werden.

Die Eröffnung der neuen Räume ist für Anfang Oktober geplant. nach der Übergabe durch die TU werden wir sie erst einmal gemeinsam gestalten. Ab Anfang Oktober soll es dort möglichst oft VoKü geben (günstiges Essen auf Selbstkostenbasis gegen Spende). Schwerpunktmäßig konzentrieren wir uns mit unserem Programm dann auf die Einführungswochen, die wir mit Essen, Raum und attraktiven alternativen Workshops bereichern wollen.

Die neuen Räume sollen genauso offen und politisch sein, wie es die Villa in der Zeit der Besetzung war. Der neoliberalen Umgestaltung der Universität setzt die Villa-BEL-Initiative fünf Themenschwerpunkte entgegen:

  • Emanzipative Politik, Herrschafts- und Diskriminierungsfreiheit
  • Aktionsorientierte Angebote
  • Bildungsaktivismus
  • Utopien, Alternativen und Kritik am Kapitalismus
  • Neue Medien und informationelle Selbstbestimmung, Open Source und Creative Commons.

Veranstaltungs und Seminarkonzept für die Ersatzräume

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Gliederung:
1. Themen
2. Zeit
Vorschläge für die Zwischenzeit
erster Zeitplan
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Themen

Grundsätzlich sind die Räume offen für alle Themen, wenn sie so formuliert sind, dass sie das Offenheitsprinzip nicht verletzen. Wir schlagen aber vor, vier Themenkomplexe besonders ernst zu nehmen, wenn unser Konzept sich in den Räumen widerspiegeln soll. Die Themenkomplexe sind nicht klar voneinander trennbar:

1. Emanzipative Politik, Herrschafts- und Diskriminierungsfreiheit

* Warum? In unserem Konzept setzen wir uns einen für alle offenen Raum zum Ziel, der insbesondere auch für gesellschaftlich diskriminierte Gruppen attraktiv ist. Wir wollen anders lernen, uns basisdemokratisch organisieren, Herrschaft und Machtungleichgewichte in unserer Praxis nicht entstehen lassen.
* Wie? Zum Beispiel in Abendveranstaltungen mit Flüchtlingsinitiativen, emanzipativ orientierten Migrant_inneninitiativen, Freiraum-Aktivist_innen, ABQueer… aber auch in Workshops und Seminaren, z. B. Awareness, Rhetorik, Anarchismus-Seminar…

2. Aktionsorientierte Angebote

* Warum? Um in Bewegung zu bleiben. Die Aktionswoche war immer dann wirkungsvoll, wenn gesetzte Grenzen überschritten wurden, zum Beispiel bei der Critical-Mass-Fahrraddemo, beim Banküberfall, der Villa-Besetzung oder bei den Spontandemos. Diese eingeübte Praxis darf nicht verloren gehen. Die Erfahrungen, die wir gemacht haben, sollten wir komplettieren und weitergeben für kommende Protestsemester.
* Wie? Aktionstraining, Clownsworkshop, Besetzungsworkshop, verstecktes Theater, Rhetorik, Kopenhagen, Out-of-Action etc.

3. Utopien, Alternativen und Kritik am Kapitalismus

* Warum? Für die Emanzipation im großen, gesellschaftlichen Zusammenhang; um auf die Krise vorbereitet zu sein…
* Wie? Abendveranstaltungen zur Krise, Workshops zu Partizipativer Ökonomie…

4. Neue Medien und informationelle Selbstbestimmung, Open Source und Creative Commons

* Warum? Im Konzept war auch an einen Hackpool gedacht. Es sind ne Menge empowernde Angebote denkbar, und ohne IT-Menschen fehlt der virtuelle Freiraum. Außerdem gibt es diese Kompetenz einfach haufenweise an der TU, und wir haben die entsprechenden Leute bisher noch nicht angesprochen, ob sie sich beteiligen wollen.
* Wie? Linux-Selbsthilfe-Sprechstunden, Installations-Parties, Stop-Motion-Filme, Workshops zu Verschlüsselung von Mails und Festplatten…

Neben diesen Vier Themenkomplexen werden sicher auch viele andere Themen stattfinden, zum Beispiel:

5. Musisch-kulturelle Angebote

wie impro-Theater, Akustik-testen in den Gängen und Foyers der TU… Diese Angebote sind zum Beispiel als Querschnitts-Angebote möglich. Eigentlich darf die musisch-kulturelle Seite auf keiner noch so ernsten Veranstaltung fehlen. Sie gehört einfach dazu.

6. Umweltthemen

Zeit

Wie gehen wir mit der Zwischenzeit um?

Probleme: wenig Menschen auf dem Campus wegen VL-freier Zeit. Räume noch nicht fertig
Ideen zum Umgang damit:

1. In Phasen, wenn viele von uns in Berlin sind: Workshops speziell für uns und unsere Freund_innen, zum Beispiel zur Gestaltung der Treffen, Out-of-Action-Workshop, Rhetorik, Awareness, Dokumentation der Ereignisse

2. Im September 1-2 Abendveranstaltungen in Räumen, die mit der Besetzung verknüpft sind, zum Beispiel im Projektraum Neukölln (daher haben wir die Rechner), in der Friedelstr. 54 (diente vielen Bildungsstreik-Aktien als Treffpunkt) oder der Naturfreundejugend in Freidrichshain…

3. Ein bis zwei Intensiv-Wochen Anfang Oktober.
* Zur Werbung für die ZW-Räume
* Um einen Anfangspunkt zu setzen
* damit sich schonmal eine Praxis einspielen kann
* Um als Ort in den Einführungsveranstaltungen vorzukommen
* Was? Räume mitgestalten, möglichst oft Vokü anbieten, Rückblick auf den Streik/Vorblick auf das neue Semester, Linux-installationsparty…

4. Alternative Seminare suchen und reinholen, z.B. über das AVV

==> Vorschlag für einen groben Zeitplan

August/September (je nachdem, wann viele von uns in der Stadt sind):
Workshops für uns und Freund_innen
September: Ein bis zwei Abendveranstaltungen in Neukölln oder Friedrichshain

Oktober: Intensiv-Wochen, Einweihungsparty

November: Auftaktveranstaltung – z.B. WBA-Workshoptag Alternativen zum Kapitalismus (Dafür liegt uns schon ein Angebot vor…)

Trägerverein gegründet

Am 9. Juli haben wir einen Verein gegründet, um die Unterschrift unter den Nutzungsvertrag für die Villa-BEL-Ersatzräume setzen zu können. Er heißt

„Vereinigung zur Förderung des studentischen Lebens und des Austausches zwischen den verschiedenen Status- und Gesellschaftsgruppen an der Technischen Universität Berlin – ZW-Trägerverein“

(den Namen müsst ihr Euch nicht merken)

Den Vorstand bilden Elena, Jens, Katja, Rieke, Pierre, Christian und Christoph – eben alle die Lust dazu hatten. Alle Mitglieder des Vorstands sind unterschriftsberechtigt. Und viel mehr als Eure Anträge, Verträge etc. im Namen des Vereins zu unterschreiben, sollten sie auch nicht tun. Der Verein ermöglicht uns insbesondere 2 Dinge:

- kostenlos Räume der TU zu nutzen
- In den Veröffentlicheungen der TU Beiträge und Hinweise auf unser Programm zu veröffentlichen (z.B. TU Intern, Homepage der TU, Studi-Newsletter der TU).

Wenn du Mitglied werden willst, dann wende dich bitte einfach an eines der Vorstandsmitglieder z.B. unter dieueblichenverdaechtigen@gmx.de. Einladungen zu Mitgliederversammlungen erhältst du über die Mailingliste info@villabel.org. Hier kannst du dich eintragen.

BTBTM nicht ausgesperrt – aber vorzeitig umquartiert

Entgegen einer Meldung, die bis heute auf dem Villa-BEL-Blog zu lesen war, wurden die Mitglieder des BTBTM nicht aus der Villa ausgesperrt. Nach eigener Auskunft hatten sie stets Zugang zur Villa und warteten am 2. Juli lediglich wegen eines Missverständnisses mit der Bauabteilung vor der verschlossenen Eingangstür. Nach Auskunft zweier Mitarbeiter_innen des BTBTM musste der Ingenieursstudi-Verein nun vorzeitig innerhalb von drei Tagen in das Franklingebäude umziehen. Der eigentlich vereinbarte Umzugstermin wäre ein halbes Jahr später gewesen. Nach Abschluss der Bauarbeiten dürfe der BTBTM wieder in seine Räume im 3. Stock der Villa zurück. Die so entstandenen Unnannehmlichkeiten möchten sie aber nicht der Villa-BEL-Initiative anlasten.

Mit dieser Information wird übrigens erneut ein Verdacht gestärkt, dass die Bauarbeiten nicht aufgrund von Sachzwängen bereits jetzt beginnen, sondern um eine Begründung zu haben, mit der die Villa-BEL-Initiative schnell wieder verdrängt werden konnte. Dies wird auch durch die Tatsache unterstrichen, dass zuerst vor allem die Wasserentsorgung unterbrochen und die Sanitären Anlagen herausgerissen wurden, sprich, das Haus tendenziell unbewohnbar gemacht wurde, worunter nun auch der BTBTM zu leiden hat.

Do, 09. Juli: Villa-BEL-Initiative gründet Verein

Gründungstreffen für einen Trägerverein für neue Räume.

Do, 09. Juli 2009
17:00-18:30
Ort: H 2033!

Der Verein wird an der TU eingetragen. Er soll mit möglichst vielen Mitgliedern starten. Auch nicht-TU-Angehörige können Mitglied werden. Bis 03. Juli werden Tobi und Christoph einen Vorschlag für das Verhältnis zwischen Verein und der vorgesehenen Entscheidungsstruktur nach dem Villa-BEL-Konzept erarbeiten. Eckpunkte dieses Verhältnisses sollen sein:
* Rotation von Verantwortlichkeiten.
* Verhältnis zwischen Verein und Nutzer_innen-Plenum: Verein führt Beschlüsse der Nutzer_innen aus.
* Hierarchiefreiheit des Konzepts soll trotz Trägerverein erhalten bleiben
* Namens- und Vereinszwecksvorschläge werden beim nächsten Nutzer_innentreffen am 7.7., 17:00 Uhr gesammelt (Treffpunkt: Vor der Villa BEL)