Archiv für Juni 2009

Sonntag: Auszug ins Ungewisse

Nach dem symbolischen Umzug in den Lichthof des Hauptgebäudes heute und Verhandlungen mit Vizepräsident Steinbach und dem Vorsitzenden der Bauabteilung Rieseberg wurde nochmal klar, dass die Villa nicht zur Verhandlung steht. Beide haben sich jedoch unser Konzept angeschaut und es „zur Kenntnis genommen“ und „bemühen sich, andere Räume für uns zu finden“. Unsere Frist der Räumung wurde von heute, Donnerstag auf Sonntag verschoben. Am Montag müssen wir definitiv raus sein, weil dann die Bauarbeiten beginnen sollen. Wir haben uns dazu entschieden, dieser Forderung nachzukommen, da für uns unser Konzept wichtiger erscheint als die Räumlichkeiten, auch wenn die Villa BEL mit zur Entstehung unseres Konzepts beigetragen hat. Auf Ersatzräumlichkeiten aber werden wir bestehen – bis zum Ende! Für die Übergangszeit wurden uns ein Lagerraum und ein Raum für unsere Treffen zugesagt. Die Verhandlungen werden am Montag weiter gehen.

Solidarität vom AStA der Beuth-Hochschule für Technik Berlin

*Solidarität mit den Hochschulbesetzer_innen*

*Gegen täglichen Konkurrenzkampf und Leistungsdruck! Keine Polizeigewalt!*

Der AStA der BHT solidarisiert sich mit allen Besetzer_innen, die für
die Durchsetzung der Forderungen im Rahmen der Bildungsproteste weiter
kämpfen. „Leider ist gerade in den letzten Wochen dem Einsatz für
bessere Bildung und gegen den Leistungsdruck mit polizeilichen Maßnahmen
statt mit konstruktiver Kommunikation begegnet worden. Dies ist nicht
der richtige Weg, auch die Villa BEL der TU Berlin darf nicht mit
Polizeigewalt geräumt werden!“, so Matthias Lippert Vorsitzender vom
AStA der BHT. „Die Villa BEL war jahrzehntelang in studentischer
Selbstverwaltung, bis sie vom „RCDS-AStA verspielt wurde“, dieser bis
zuletzt leer stehende Gebäudeteil wurde von Studierenden am Mittwoch 17.
Juni wiederbelebt.“

Wir erklären unsere Solidarität mit den Besetzter_innen und unterstützen
das Anliegen, den größten und vielfältigsten Projektraum auf dem Campus
einer deutschen Hochschule an der TU Berlin zu schaffen. Denn damit, so
ein Aktivist „setzten wir dem gesellschaftlichen Zwang zur Konkurrenz
einen Raum entgegen, in dem erfahrbar wird, dass solidarisches
Miteinander und kooperatives Lernen attraktiver ist, als das schöne,
vorgezeichnete Leben, das uns nur für eine ungewisse Zukunft versprochen
wird, und das nur unter der Bedingung grenzenloser Selbstausbeutung zu
haben ist.“

Solidarität aus Leipzig und Marburg

Hallo BesetzerInnnen,

aus Leipzig senden wir euch solidarische und kämpferische Grüße.

Jede Besetzung erinnert uns an unsere 58 Tage, in welchen wir 5 Räume als UniFreiräume schafften.

Wir unterstützen eure Ziele, auch wenn wir Donnerstag nicht vor Ort sein können, gedanklich sind wir anwesend.
Eure Besetzung ist notwendig und wir sind uns sicher, dass neben den pragmatischen Ansätzen, vor allem diese „radikaleren“ Formen des Protestes letztlich Aufmerksamkeit erreichen und Veränderungen bewirken können.

Deshalb gebt nicht auf, bis die Forderungen nach Freiräumen, freier, emanzipatorischer und kostenloser Bildung für alle und eure ganz konkreten Ziele erreicht sind.

Wenn ihr Unterstützung in irgendeiner Form braucht, schreibt uns, wir tun, was wir können!

Venceremos!

Im Namen der Protesttage Leipzig,
Theresa

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Und eine Nachricht aus Marburg

HALLO BESETZER*INNEN DER VILLA BEL!
SOLIDARISCHE GRUESSE VON DER BLOCKADE DES INSTITUTS POLITIKWISSENSCHAFT
MARBURG!
VORSCHLAG FÜR VERNETZUNG.

Wahrscheinlich habt ihr mitbekommen, dass in Marburg immernoch gestreikt
wird. Seit Donnerstag ist das Institut Politikwissenschaft in der
Philosophischen Fakultät besetzt. Wir sind hier um zu bleiben! – bis die
Forderungen zur Verbesserung der Studienbedingungen am Institut und der
der gesamten Uni durchgesetzt sind. Wir werden mehr, die Stimmung ist
gut!
Andere Fachbereiche und auch MitareiterInnen der Uni solidarisieren sich
mit der Aktion und schließen sich dem Protest an. Die Vernetzung mit
anderen gesellschaftlichen Gruppen läuft ebenfalls.
Im Zuge der basisdemokratischen Selbstverwaltung werden am Wochenende in
dem neugewonnenen Freiraum Filmvorführungen, Lesebühnen, Konzerte, Parties
und alternative Seminare organisiert.

Wir bitten mit dieser E-Mail um Unterstützung unserer Forderungen, um ein
breites Spektrum an BündnispartnerInnen aufzubauen. Darüber hinaus
schlagen wir einen intensiveren Austausch zwischen den weiterbestehenden
Besetzungen vor. Lasst uns zusammen signalisieren, dass der Protest
weitergeht und dass wir konkrete Verbesserungen vor Ort durchsetzen
können!

Für die nächste Woche planen wir, auch wieder aus der Uni raus in die
Öffentlichkeit und die Stadt zu gehen und an weiteren Fachbereichen die
Diskussion wieder aufleben zu lassen (Vollversammlungen, Flashmobs,
ErzieherInnen-Demo-Solidarität etc.).
Was plant ihr?

Ihr erreicht uns per Email (ak.g.gangblokade ett gmx.de).

Für Solidarität und freie Bildung!
g.gangblokade

Untenstehend findet ihr einen Ausschnitt unseren (lokalen) Forderungen.

viertelparitätisch besetztes Direktorium (gleiche Stimmzahl von
Professoren, Studierenden, wissenschaftlichen und
technisch-administrativen Mitarbeitern)
selbstverwalteter Freiraum für alle Studierenden der Philosophischen Fakultät
Abschaffung der Anwesenheitslisten am gesamten Fachbereich
Verbesserung des Informationsflusses / Transparenz am Institut
Einberufung des Direktoriums Anfang nächster Woche
zweistündige Mittagspause und freier Mittwoch Nachmittag für Gremien und
Gruppenarbeit
Verbesserung der Arbeitsbedingungen für technisch administratives Personal
(Dienstfahrräder, drei volle Stellen für Hausmeister)

Die Forderungen sollen auch als ein Zeichen der Wichtigkeit eines besseren
und gerechten Bildungssystems gesehen werden, das durch die Reduzierung
der Bildung auf ihre Verwertbarkeit zunehmend gefährdet ist. Deshalb
solidarisieren wir uns mit allen gesellschaftlichen Gruppen, die in diesem
Sinne aktiv sind.

Räumung möglich ab Donnerstag Abend

Die wiedereröffnete Villa BEL steht unmittelbar vor der Räumung.
Nach einer Woche Selbstbestimmung und Kreativität ist das von zahlreichen Studierenden ins Leben gerufene Projekt bereits wieder von der Schliessung bedroht.
Die Uni-Leitung hat dem Haus eine Frist gesetzt: Bis Donnerstag Abend müssen alle raus sein, sonst trägt uns die Polizei raus.

Dies wollen wir aber verhindern!
Wir wollen den entstandenen Raum weiter mit kreativen Ideen beleben und nutzen. Die letzte Woche hat uns gezeigt, dass auch der Unialltag entspannt und interessant sein kann. Zusammenkommen, quatschen, sich austauschen, sich selbst organisieren, das alles verlieh dem Haus eine besondere, neue Atmosphäre, die es so vorher an der Uni nicht gab.

Sogar eine tägliche Vokü ist entstanden um den Ablauf des vielfältiges Programms zu ergänzen. Eine sehr positive und optimistische Stimmung schwebte in der Luft. Der Campus lebte wieder.

Das alles darf nicht verschwinden!

Deswegen kommt am Donnerstag um 12:00 Uhr zum Lichthof im Hauptgebäude der TU!! Wir wollen das Präsidium zur Rede stellen und Öffentlichkeit erzeugen. Dafür brauchen wir eure Unterstützung.

Männer in grün könnten die Villa wieder zu einem grauen Ort machen

Kaum entsteht an der Uni neuer Lebensraum, ist er auch schon wieder bedroht. Im Zuge des Bildungsstreiks wurde die alte AstaVilla auf dem TU Campus wiedereröffnet. Ein Jahr stand das Haus leer bis sich ein bunt gemischter Haufen Studenten zusammengefunden hat, der gemeintschaftlich beschlossen hat, die freien Räume konstruktiv zu nutzen, selbstbestimmt und unabhängig von politischen und religösen Richtungen . Vom 17. Juni bis heute wurden die Räume mit Leben gefüllt, nicht nur von Studenten, sondern z. B. auch von Schülern und einigen Gästen aus ganz Deutschland. Neben den üblichen Feierlichkeiten haben alle aber auch hart angepackt, es wurden Büros-, Schlaf- und Seminaräume eingerichtet, Seminare und Workshops abgehalten, zusammen gekocht, gegessen, gequatscht und geputzt. In freien Arbeitsgruppen wurden die Tage sinnvoll gestaltet, auch wurde von Anfang an einem konkreten Konzept zur Raumnutzung gearbeitet, das in den nächsten Tagen vorgelegt wird.
Trotz der anstrengenden Tage, haben viele es nicht versäumt, ihre Lehrveranstaltungen zu besuchen. In den Büros fanden sich Leute, die zusammen Hausaufgaben erledigten und generell ist der Aspekt der “freien Bildung” nie in den Hintergrund getreten. Nun aber schwebt das Damoklesschwert der Räumung über dem Projekt und eine große Trauer macht sich unter allen NutzerInnen breit. Einige hatten seit langer Zeit endlich wieder das wunderbare Gefühl, gerne zur Uni zu gehen, sich gerne für die Uni und alle daran Beteiligten einzusetzen. Das Klima der Offenheit, dass jedeR Willkommen ist und sich einbringen kann, machte diese Aktion zu einer interessanten Begegnungsstätte für jeden, einer gemütlichen Insel im mitunter unpersönlichen Unialltag.
Nun sind wir dazu aufgefordert worden, das Gebäude bis Donnerstag Abend zu verlassen… wenn es sein muss wird sonst die Polizei mit “angemessener Härte” dafür sorgen….

Persönlich fühle ich mich niedergeschlagen. Ich möchte nicht, dass es am Donnerstag einfach vorbei ist. Dieses Projekt hat Potenzial, alle Lernenden näher zusammenzubringen und alternative Lebens- und Bildungswege aufzuzeigen. Seit dem 17. hat sich einiges getan hier drin, es wäre schade, wenn diese Arbeit umsonst war.

Angenehme Lernbedingungen sollten nicht einfach zerstört werden
Wormi

[der Text nimmt nicht für sich in Anspruch, die Meinung aller NutzerInnen zu vertreten]